Die Raiders Tirol mussten zum Auftakt der neuen European Football Alliance-Saison eine bittere Niederlage hinnehmen. Im Grünwalder Stadion in München gerieten die Tiroler vor allem defensiv unter die Räder und mussten sich den Munich Ravens am Ende deutlich mit 30:58 geschlagen geben. Trotz einer phasenweise stark aufspielenden Offensive um Neo-Quarterback Steven Krajewski und Kampfgeist bis zur letzten Sekunde machten sich die Gäste das Leben durch einige Strafen und Abstimmungsprobleme selbst schwer.
Kaltstart in München
Die Saison startete mit dem denkbar ungünstigsten Auftakt: Der Kickoff von Raiders Tirol-Kicker Jonata Loria wurde von Ravens-Defensive Back Bijon Harris direkt in die Endzone retourniert. Nach nur zwölf Sekunden lagen die Tiroler mit 0:7 zurück und wurden nach einer schnellen Three-and-Out-Offensive direkt wieder vom Feld geschickt. Die Münchner nutzten anschließend das Momentum: Die Ravens-Offensive um Quarterback Russell Tabor kam schnell in einen Rhythmus und durch Receiver Sixten Dragan zu einem Raumgewinn von 34 Yards – ein Pfiff von der Tribüne irritierte die Tiroler Defensivspieler. Raiders Tirol Head Coach Shuan Fatah challengte das Play, hatte aber keinen Erfolg. Kurze Zeit später standen die Ravens schon in der Red Zone und erzielten durch Philip Okonkwo den zweiten Touchdown zur Mitte des ersten Viertels – 0:14 nach PAT.
Tiroler Offensive schlägt zurück
Trotz des raschen Rückstands zeigten die Tiroler keine Panik. Neo-Quarterback Steven Krajewski verteilte die Bälle gekonnt an seine Passempfänger, während Tobias Bonatti und Lukas Haslwanter mit Rushing-Versuchen überzeugten. So arbeitete man sich immer weiter in Richtung der Münchner Endzone vor. 25 Yards waren noch zu überwinden, Krajewski ging tief, bekam dank eines fantastischen Blocks von Lukas Haslwanter auch genügend Zeit, um den Ball präzise loszuwerden, und fand in der Endzone Wide Receiver Toni Rabensteiner, der mit seinem Touchdown auf 7:14 nach PAT verkürzte. Eine perfekte Antwort der Raiders Tirol.
Die Ravens antworteten jedoch prompt: Ein 45-Yard-Lauf von Justin Rodney ebnete den Weg für Tabor, der den Ball selbst zum 7:21 über die Linie trug. Die Raiders Tirol ließen sich aber nicht abschütteln: Nach einem starken 40-Yard-Return von Marco Schneider bediente Krajewski im zweiten Viertel Neuzugang Aaron Jackson, der sich gegen seinen Manndecker zum 14:21-Anschluss durchsetzte.
Damit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Während die Ravens durch einen Pass auf Marvin Rutsch auf 14:27 erhöhten (PAT vergeben), hielt die Tiroler Offense mit einer variablen Mischung aus Pass und Lauf dagegen. Ein Field Goal von Jonata Loria brachte die Gäste auf 17:27 heran. Doch kurz vor der Pause schlugen die Hausherren erneut zu: Tabor fand Malik Stanley tief in der Endzone zum 17:33-Halbzeitstand.
Vorentscheidung nach dem Seitenwechsel
Nach dem Seitenwechsel stockte der Motor der Raiders, während München unbarmherzig nachlegte. Ein 35-Yard-Touchdown-Run von Tabor samt erfolgreicher 2-Point-Conversion und ein weiterer Score durch Rodney schraubten das Ergebnis schnell auf 17:48 hoch. Trotz des Rückstands zeigten die Tiroler ihr Kämpferherz und belohnten sich mit einem beeindruckenden Big Play von Krajewski auf Aaron Jackson für 53 Yards. Doch ein Missverständnis zwischen Krajewski und Jackson endete in einer Interception in der Münchner Endzone.
Kampfgeist bis zur letzten Sekunde
Im Schlussviertel erhöhte Louis Geyer nach einem 60-Yard-Catch zunächst auf 17:55 nach PAT, ehe Jackson mit seinem zweiten Touchdown des Tages (24:55) und ein Field Goal der Münchner das Scoreboard weiter bewegten. Den Schlusspunkt setzten noch einmal die Tiroler: Nach einem schönen Drive über Jackson, Adrian Platzgummer und Schneider tankte sich Haslwanter zum 30:58-Endstand in die Endzone. Ein harter Dämpfer zum Saisonstart, auf dem die Offensive aber durchaus aufbauen kann.
Stimmen:
Shuan Fatah über…
…das Spiel und die Kulisse in München: „Zunächst einmal bin ich einfach froh, dass es endlich losgegangen ist und die Saison läuft. München war ein toller Pflaster – ein gutes Stadion, coole Fans und eine starke Atmosphäre. Das Ergebnis war natürlich nicht das, was wir wollten. Ich nenne es einen schlechten Tag im Büro, einen dieser Tage eben. Aber am Ende des Tages ist es ein Spiel. Wir fangen gerade erst an und werden jetzt weiter arbeiten.“
…die Leistung von Offense und Defense: „Besonders in der Defense müssen wir etwas tun. Unsere Offense hat mir dagegen gut gefallen. Ich denke, wir haben einen Quarterback und unsere Offensive Line hat einen starken Job gemacht – viel besser, als das, was wir defensiv gezeigt haben. Von der Offense insgesamt kann ich kaum mehr verlangen, aber wir müssen ihnen in der Defense und den Special Teams unter die Arme greifen. Der Start war natürlich brutal und wir mussten uns im ersten Viertel erst einmal von diesem Kick-Return-Touchdown erholen. Aber das zeigt einfach, wie explosiv München ist. Sie haben in der Offseason einen tollen Job gemacht und sind ein sehr komplettes Team.“
…die Botschaft nach der Niederlage und den Blick nach vorne: „So ist das Spiel nun mal, davon darf man sich nicht aus der Bahn werfen lassen. Genau deshalb lieben wir diesen Sport ja auch. Es gibt solche Tage und heute war einfach nicht unser Tag. Das Wichtigste ist jetzt, wie wir darauf reagieren. Und ich bin überzeugt, dass von diesem Team eine positive Reaktion kommen wird. Wir wollen jede Woche besser werden. Die Saison ist lang und es gilt das alte Sprichwort: Es ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Klar ist aber auch: Wir können gegen die Top-Teams der Liga so nicht auftreten, wir müssen viel präziser sein. Das ist mein Job. Aber ich habe einen großartige Coaching-Staff und ein tolles Team. Ich liebe die Jungs, sie sind das Fundament für die kommenden Jahre.“
…den Gegner und die nächste Aufgabe: „Man muss das Ganze richtig einordnen. München ist ein Top-Team der Liga, die arbeiten schon seit ein paar Jahren an diesem Projekt und bauen das hier auf. Wir hingegen stecken im Neuaufbau, von daher ist das okay. Nächste Woche geht es direkt mit dem nächsten harten Brocken weiter: den Nordic Storm. Die wirken jetzt schon so, als wären sie mitten in der Saisonform und Coach Shoop macht dort einen super Job. Das wird uns am Ende nur stärker machen.“
Aaron Jackson über…
…das Spiel: „Ich denke, das Spiel war gut. Es ist natürlich nicht ganz so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber ich finde, wir haben am Ende Stolz gezeigt, wir haben weitergekämpft und wir nehmen einige Dinge für die Zukunft mit. Meiner Meinung nach sah die Offense gut aus und auch die Defense war phasenweise stark. Aber München ist einfach ein gutes Team, Hut ab vor ihnen. Es war das erste Spiel, so läuft es eben manchmal. Es gibt immer einen Gewinner und einen Verlierer und heute haben wir den Kürzeren gezogen. Aber wir müssen positiv bleiben, nächste Woche wieder an die Arbeit gehen und nach vorne blicken und noch etwas drauflegen.“
…den Kickoff-Return Touchdown: „Wenn ein Team direkt beim ersten Spielzug den Kickoff in die Endzone zurückträgt, gibt ihnen das natürlich sofort das Momentum – sie waren ohnehin der Favorit. Damit stehst du im Grunde von Anfang an mit dem Rücken zur Wand. Aber wir haben uns danach einfach gesagt: ‚Hey, Mund abwischen, weiter geht’s.‘ Zu dem Zeitpunkt lagen wir ja nur mit sieben Punkten hinten. Es war ein Big Play, Hut ab vor BJ, das war ein starker Return. Es war einfach einer dieser Tage, so läuft Football manchmal.“
…die eine Sache, die man als Offense für nächste Woche verbessern muss: „Ich denke, wir müssen verhindern, dass wir punten müssen. Wir wollen bei jedem Drive scoren, Punkte mitnehmen, indem wir in die Red Zone kommen und zur Not ein Field Goal kicken. Wir müssen konstanter werden.“
Tim Unger über…
…das Spiel: „Es war ein harter Start. In der Defense sind wir nicht wirklich ins Spiel gekommen. München hatte einen ziemlich soliden Matchplan. Im Laufspiel konnten sie uns meiner Meinung nach zwar nicht wirklich bezwingen, aber wir müssen die kleinen Fehler im Backfield abstellen. Das betrifft aber die gesamte Defense: Die Defensive Line muss Druck auf den Quarterback ausüben, die DBs können die Receiver schließlich auch nicht ewig covern. Es liegt an der gesamten Defense. Die Offense war dagegen echt gut heute.“
…die kommende Woche: „Wir müssen den Kopf wieder in die Playbooks stecken. Die Saison ist ein Marathon, kein Sprint, wie man so schön sagt. Wir müssen einfach weitermachen. Am Montag haben wir die Videoanalyse, dann ist Training. Wir müssen zurück an die Theorie und die kleinen Fehler abstellen. Und dann müssen wir unserer Offense den Rücken freihalten, denn die hat heute einen fantastischen Job gemacht. Für uns geht es darum, das Spiel auf Tape anzuschauen, die Fehler zu analysieren und dann korrigiert wieder auf den Platz zu bringen.“