Die lange Anreise in den europäischen Norden endet für die Raiders Tirol mit einer Niederlage: In Kopenhagen muss sich das Team von Head Coach Shuan Fatah den Nordic Storm mit 16:39 geschlagen geben. Ein bitterer Ausgang eines Spiels, in dem die Tiroler einige Chancen ungenützt ließen.
Starker Defense-Auftakt und verpasste Chancen
Die Hausherren starteten mit ihrer Offensive ins Spiel und sahen sich sofort einer enorm konzentrierten Defensiveinheit der Raiders Tirol gegenüber. Nach einem schnellen Three-and-Out musste die Storm-Offense wieder vom Feld. Umgekehrt wurde Raiders-Quarterback Steven Krajewski in der ersten Angriffsserie gesacked, was ebenfalls einen Punt zur Folge hatte.
Im zweiten Drive der Storm brach Runningback Glen Toonga für ein schnelles First Down durch. Doch die Tiroler Defensive war hellwach und erzwang an der Feldmitte ein Fourth Down. Beim ausgespielten Versuch konnte Jadrian Clark den Ball nicht anbringen – damit übernahmen die Raiders Tirol knapp in der gegnerischen Hälfte. Trotz der aussichtsreichen Feldposition gelang offensiv kein neues First Down. Der anschließende Punt der Tiroler ging an die 8-Yard-Linie der Gastgeber.
Nach First Downs von Glen Toonga und Roberto Miranda sorgte Miranda wenig später für das erste Big Play des Abends: Er enteilte seinen Gegenspielern und wurde erst knapp vor der Tiroler Endzone gestoppt. Zwei Plays später fing er den Pass von Clark zum Touchdown – 0:6 aus Tiroler Sicht nach vergebenem PAT.
Anschluss und Turnover vor der Pause
Mit einem sehenswerten Catch von Marco Schneider starteten die Raiders Tirol in den neuen Drive. Runningback Lukas Haslwanter und Krajewski per Rushing-Play bewegten die Ketten. Kicker Jonata Loria eröffnete das zweite Viertel schließlich mit einem Field Goal aus 37 Yards zum 3:6.
Direkt danach forcierten die Special Teams der Raiders Tirol einen Turnover: Edwin Almeida wurde beim Kickoff-Return der Ball aus den Händen geschlagen und die Tiroler sicherten sich das Ei. Krajewski musste zwar sofort einen Sack einstecken, bediente in den weiteren Downs aber Marco Schneider und Aaron Jackson für ein neues First Down. Der anschließende Field-Goal-Versuch von Jonata Loria aus 44 Yards ging jedoch daneben.
Jadrian Clark sah sich weiterhin großem Druck der Raiders Tirol-Defender ausgesetzt, doch zwei teure Penalties der Tiroler verlängerten den Drive der Hausherren. Brendan Beaulieu nutzte dies aus, fing einen Pass in der Endzone und baute die Führung der Storm auf 3:13 aus.
Die unmittelbare Antwort der Gäste blieb zunächst aus. Kurz vor der Pause starteten die Tiroler dank einer Strafe gegen Kopenhagen noch einmal in der gegnerischen Hälfte. Ein schneller Pass auf Lorenzo Bassi ließ die Offensive in die Red Zone vordringen – doch statt Punkten gab es eine Interception: Krajewskis Pass landete in den Armen von Storm-Defensive Back Maceo Beard.
Tiroler Aufholjagd nach der Pause
Nach der Pause kamen die Raiders Tirol entschlossen aus der Kabine. Krajewski ging tief und fand Aaron Jackson, was die Tiroler an die 15-Yard-Linie brachte. Adrian Platzgummer holte nach einem kurzen Pass weitere zehn Yards heraus, ehe sich Tobias Bonatti durch die Defensive Line tankte und den ersten Tiroler Touchdown erzielte – 10:13 nach erfolgreichem PAT von Loria.
Clark und seine Mitspieler antworteten prompt und marschierten in Form von Brendan Beaulieu, Jakob Green und Edwin Almeida über das Feld. Glen Toonga sorgte schlussendlich für den nächsten Score zum 10:19 (2-Point-Conversion nicht gut).
Turbulentes Schlussviertel bringt die Vorentscheidung
Zum Start des Schlussviertels kam es zum wichtigen Big Play der Raiders Tirol-Defense: Jonas Fuschelberger fing einen Pass von Clark ab, was eine Interception bedeutete. Die Freude währte jedoch nur kurz, da Nordic Storm im direkten Gegenzug eine Interception durch Brandon Bryant verbuchte. Die Storm nutzten den Turnover gnadenlos aus und erhöhten durch Roberto Miranda auf 10:25. Während die Tiroler in dieser Phase offensiv keinen Rhythmus mehr fanden, legten die Gastgeber durch Glen Toonga zum 10:32 nach.
Die Raiders Tirol bewiesen jedoch Kampfgeist und arbeiteten sich anschließend sukzessiv nach vorne. Lukas Haslwanter belohnte den Einsatz mit einem Touchdown-Lauf zum 16:32 (2-Point-Conversion fehlgeschlagen).
Der versuchte Onside-Kick gelang nicht, Storm bekam noch einmal den Ball und Jadrian Clark ging noch einmal tief: Brendan Beaulieu setzte sich in der Endzone gegen zwei Defensive Backs durch und kam mit dem Ball in den Händen zu Boden – Touchdown, 16:39 nach PAT. Mit einer Interception von Krajewski endete die Partie.
Die Raiders Tirol verlieren damit ihr zweites Saisonspiel in der ELF. Die hart erarbeiteten Chancen konnten zu selten in Punkte umgemünzt werden. Nach der Bye-Week am kommenden Wochenende empfangen die Tiroler am 6. Juni die Frankfurt Galaxy zum ersten Heimspiel im Tivoli Stadion.
Stimmen:
Wide Receiver Aaron Jackson…
…zum Spielverlauf und dem Kampfgeist des Teams:
„Wir haben das Spiel anständig zu Ende gebracht, das ist für mich das Wichtigste – auch wenn es am Ende natürlich nicht gereicht hat. Wir haben bis zum Schluss viel Kampfgeist und Stolz bewiesen. Bis zum vierten Viertel war es ein enges Ding, wir waren die ganze Zeit nur ein, zwei Ballbesitze hinten dran. Das zeigt, wie viel Potenzial und Upside in dieser Mannschaft stecken. Das gibt uns eine Menge Positives für die kommenden Wochen. In der Bye-Week können wir uns jetzt etwas erholen und weiter an unserem System feilen. Wir wachsen langsam zusammen.“
…über die Lernkurve des jungen Raiders-Teams:
„Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, das braucht einfach seine Zeit. Wenn man mich fragt, spiele ich zum Saisonstart aber sowieso lieber direkt gegen die beiden besten Teams der Liga. Nach der heutigen Leistung bin ich mir sicher: Wir haben den nächsten Schritt nach vorne gemacht. Mit jeder Woche, jedem Training und jedem Spiel werden wir besser werden. Wenn wir das nächste Mal auf diese Teams treffen, wird das ein ganz anderes Spiel. Bis dahin sind wir eine gut geölte Maschine. Wir haben viele neue Gesichter, neue Coaches und ein neues Umfeld – das muss sich erst finden. Aber wir bewegen uns konstant nach vorne. Und solange wir diese Schritte nach vorne machen, gibt es keinen Grund, zurückzublicken.“
Quarterback Steven Krajewski…
…zur Motivation nach der bitteren Niederlage:
„Wir haben eine Menge Dinge, in denen wir besser werden müssen. Wir haben heute nicht nach unserem eigenen Standard gespielt. Kopenhagen hat ein sehr komplettes, sehr starkes Football-Team, aber wie man gesehen hat, konnten wir absolut mithalten. Das motiviert uns. Wir hatten offensiv sogar die Chance, die Führung zu übernehmen. Ich persönlich muss auf dem Feld bessere Entscheidungen treffen, wir müssen als Unit mehr Big Plays kreieren und unsere Spielzüge sauberer durchziehen. Nur so können wir solche engen Partien am Ende auch für uns entscheiden.“
…auf die Frage nach dem Matchplan und den Schwachstellen der Storm:
„Ein großes Lob an unseren Offense-Coordinator Coach Max. Er hat uns hervorragend auf das vorbereitet, was uns heute erwartet hat. Wir wussten, dass sie viel Man-to-Man-Coverage spielen und mit vielen Stunts und Druck über den Pass Rush kommen. Wir fühlten uns bereit dafür. Am Ende liegt es an der Execution: Wir müssen den freien Raum besser nutzen, die Hot Routes anspielen, ich muss den Ball schneller loswerden und den Gegner dafür bezahlen lassen. Die Storm haben im Backfield großartige Athleten, die die Man Coverage halten können, aber wir müssen diese Eins-gegen-Eins-Duelle in Zukunft einfach gewinnen und clevere Entscheidungen treffen.“